Spital Saanen wird geschlossen – Zweisimmen bleibt vorderhand

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Das Saanenland verliert sein Spital definitiv. Die Einrichtung wird im Herbst geschlossen. Das Spital in Zweisimmen, im benachbarten Simmental, wird indessen weitergeführt – zumindest vorderhand.

Ob die Einrichtung in Zweisimmen längerfristig weiterbetrieben wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem auch davon, ob der Kanton die nötigen finanziellen Mittel spricht, wie die Verantwortlichen der Betreibergesellschaft Spital STS AG am Mittwoch vor den Medien erklärten.

Der Kanton soll nun im ersten Halbjahr 2013 aufzeigen, welche Art der Versorgung in der Region nötig und sinnvoll ist.

Falls eine sogenannte Versorgungsnotwendigkeit besteht und der Kanton die entsprechenden finanziellen Mittel spricht, könnte das Spital in Zweisimmen weiterbetrieben werden, erklärten die STS- Vertreter. Andernfalls müsse auch mit der Schliessung des Standort Zweisimmen im Jahr 2014 gerechnet werden.

Mit ihrem Entscheid entspricht die Spital STS AG einer Stellungnahme der Bergregion Obersimmental-Saanenland.

Nicht einfach Gute und Böse

Gesundheits- und Fürsorgedirektor Philippe Perrenoud zeigte sich am Mittwoch vor den Medien persönlich überzeugt, dass es in der Region «in irgend einer Form eine stationäre Versorgung braucht». Die Distanzen zum nächsten Spital in Thun seien gross, räumte Perrenoud ein.

Er verstehe die Ängste und Vorbehalte der Bevölkerung in der Region und nehme diese ernst, betonte Perrenoud. Er redete aber der Bevölkerung im Oberland auch ins Gewissen: «Es gibt nicht Gute und Böse, die Guten in der Region, die Bösen in Bern und Thun, die sich nur wenig interessieren und keine Ahnung haben. So einfach ist es nicht.»

Perrenoud wünscht sich eine offene, sachliche Diskussion. Die Chance gelte es zu packen, es werde vermutlich nicht viele weitere geben. Damit spielte Perrenoud auf die langjährige Auseinandersetzung an, die bereits um die Spitalstandorte in Saanen und Zweisimmen geführt werden.

50 Arbeitsstellen gehen verloren

Die Spitalschliessung im Berner Oberland kostet rund 50 Arbeitsstellen, betroffen sind zirka 65 Personen. Die Spital STS AG ist nach eigenen Angaben bemüht, so vielen Mitarbeitenden wie möglich innerhalb des Unternehmens neue Stellen anzubieten.

STS-CEO Bruno Guggisberg sagte, es werde höchstwahrscheinlich deutlich weniger Kündigungen geben als die nun veröffentlichten Zahlen nahelegten. Mit den Vertragspartnern sei ein Sozialplan ausgearbeitet worden.

Pilotprojekt ausarbeiten

In einem Pilotprojekt sollen nun verschiedene Fragen rund um die Gesundheitsversorgung in der Region Saanenland-Simmental geklärt werden, etwa eine Stärkung des Rettungswesens und den Aufbau eines Gesundheitsnetzes.

Auf den kommenden Winter hin werden Sofortmassnahmen für den Rettungsdienst ins Auge gefasst. Das Saanenland ist eine beliebte Wintersportdestination. Zur Region gehören Orte wie Gstaad, Schönried und Saanenmöser. (js/sda)

Berner Zeitung

Quelle: https://www.bernerzeitung.ch/region/thun/Spital-Saanen-wird-geschlossen–Zweisimmen-bleibt-vorderhand/story/21445539

30.05.2012|