Spital (nur) vorläufig gesichert

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Laut Regierungsrat ist der Spitalstandort Zweisimmen «versorgungsnotwendig». Die STS AG hat nun eine Strategie: Der Verwaltungsrat will nebst dem Basispaket die Bereiche Gynäkologie/Geburtshilfe sowie die Dialyse anzubieten.

Wie bereits vermeldet, hat der Regierungsrat am 19. Juni den Spitalstandort Zweisimmen als «versorgungsnotwendig» erklärt. Die das Spital betreibende STS AG hat nun entschieden, wie sie den Auftrag, den Standort weiterzubetreiben, umsetzen will. Der Verwaltungsrat hält im Rückblick fest: «Wir haben im Mai 2012 entschieden, dass das Spital Zweisimmen weiterbetrieben werden kann, falls der Regierungsrat des Kantons Bern die Versorgungsnotwendigkeit des Spitalstandortes deklariert und entsprechende finanzielle Mittel gesprochen werden.» Sollte der Kanton jedoch keine oder nicht ausreichende Mittel sprechen, müsse mit der Schliessung des Spitals Zweisimmen im Jahr 2014 gerechnet werden.

Strategie des Verwaltungsrats

Der Verwaltungsrat der Spital STS AG habe den Entscheid des Regierungsrats und die damit verbundenen Konsequenzen nun an einer ausserordentlichen Sitzung diskutiert, wird mitgeteilt. Er habe dabei festgestellt, «dass der Regierungsrat mit der Inkraftsetzung der neuen Versorgungsregel den Spitalstandort Zweisimmen mit Ausnahme der Gynäkologie und Geburtshilfe als versorgungsnotwendig erachtet». Das Basispaket eines versorgungsnotwendigen Spitals beinhalte die Chirurgie, die innere Medizin und den Notfall.

Der Verwaltungsrat der Spital STS AG habe nun entschieden, «zusätzlich zum versorgungsnotwendigen Basispaket die Bereiche Gynäkologie/Geburtshilfe sowie die Dialyse im Spital Zweisimmen bis auf weiteres anzubieten». Bezüglich der Geburtshilfe werde er das Gespräch mit den Gemeinden suchen, um eine Mitfinanzierung der ungedeckten Kosten dieses Angebotes ab 2015 zu erwirken.

Der Spital-STS-Verwaltungsratspräsident Peter Dolder sowie der CEO Bruno Guggisberg hätten der Spitalleitung und den Mitarbeitenden des Spitals Zweisimmen sowie den regionalen Behörden den Entscheid persönlich mitgeteilt, wird betont.

«Nicht nachhaltig gesichert»

Die Spitalverantwortlichen halten in ihrer Mitteilung jedoch fest, dass dieser Auftrag eine grosse Herausforderung darstelle und ohne weiteres den Bestand der Spital STS AG bedrohen könnte. Und weiter: «Aus dieser Perspektive ist das Spital Zweisimmen damit aktuell nicht nachhaltig gesichert. Ohne finanziell massgebliche und nachhaltige Unterstützung durch den Kanton ist ab 2015 die Aufrechterhaltung des Betriebes in Zweisimmen nicht möglich.»

Gemäss heutigem Wissensstand bleibe auch bei der vom Kanton vorgeschlagenen Redimensionierung des Standortes ein jährliches Defizit in Höhe von 5 Millionen Franken bestehen. Mit dem neuen Spitalversorgungsgesetz könne der Kanton nicht gedeckte Kosten ausgleichen, falls ein Spital trotz effizientem Betrieb eine vom Kanton als versorgungsnotwendig bezeichnete Leistung nicht finanzieren könne.

Mitentscheidende Faktoren

Eine weitere Herausforderung für die Spital STS AG bestehe darin, dass sich die Personalrekrutierung für periphere Spitäler schon heute sehr schwierig gestalte. Zudem würden nach Ansicht der Spitalgruppe im Rahmen der neuen Spitalliste die Themen der Mindestfallzahlen und Qualitätsvorgaben eine noch höhere Bedeutung erhalten. «Auch diese Problematik kann – ähnlich wie bei der Personalrekrutierung – für kleine Standorte grosse Auswirkungen haben», hält der STS-Verwaltungsrat fest. «Durch die Tatsache, dass der Kanton jeweils nur für eine zeitlich begrenzte Periode – vierjähriger Versorgungsplanung – finanzielle Unterstützung gewähren dürfte, kann die Spital STS AG am Standort Zweisimmen keine Grossinvestitionen tätigen, sondern nur betrieblich notwendige Unterhaltsarbeiten ausführen.»

Erschwerend komme dazu, dass die Inanspruchnahme der medizinischen Leistungen durch die regionale Bevölkerung sinke.

«Gemeinsam ist es möglich»

Die Spital STS AG ist gemäss der gestrigen Mitteilung bereit, ihren Beitrag für eine bedarfsgerechte und qualitativ gute Gesundheitsversorgung in der Region Simmental-Saanenland weiterhin zu leisten. Die Herausforderung setze allerdings ein hohes und nachhaltiges Engagement von allen Beteiligten (Kanton, Spital STS AG, Gemeinden, regionale Ärzteschaft) sowie die Inanspruchnahme der medizinischen Leistungen ihres Spitals durch die Bevölkerung voraus.

Nach der Sommerpause will die Spital STS AG zusammen mit der Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern das weitere Vorgehen in Bezug auf die zukünftige Ausrichtung des Spitals Zweisimmen auf der Grundlage des Pilotprojektes «Medizinische Grundversor-gung Obersimmental-Saanenland» besprechen.

Berner Zeitung – Peter Rothacher

Quelle: https://www.bernerzeitung.ch/region/thun/Spital-nur-vorlaeufig-gesichert/story/19291442

28.06.2013|