Schnegg will der Spitalstandortinitiative Wind aus den Segeln nehmen

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Anfang nächsten Jahres soll in Zweisimmen ein Geburtshaus in Betrieb gehen, die Maternité Alpine. Die Idee dazu existiert seit der Schliessung der Geburtenabteilung im Spital Zweisimmen vor mehr als zwei Jahren. Doch nun ist der «Weg offen für Betriebsbewilligung und Aufnahme auf die Spitalliste», wie die Gesundheitsdirektion des Kantons Bern gestern mitteilte.

Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg (SVP) stellt die Betriebsbewilligung in Aussicht; für die Aufnahme auf die Spitalliste braucht es noch den Entscheid des Gesamtregierungsrats. Er sei zuversichtlich, sagt Schnegg auf Anfrage, dass auch die Regierung grünes Licht geben werde.

Schnegg hat sein Amt als Regierungsrat erst vor rund zwei Monaten angetreten, und es scheint, als ob er diese Sache vorangetrieben hat. «Er hat konstruktive Sitzungen organisiert», sagt Anne Speiser, SVP-Grossrätin aus Zweisimmen.

Ein Argument gegen die Initiative

Wenn Schnegg nun den Weg für die Maternité Alpine ebnet, nimmt er damit auch der hängigen kantonalen Spitalstandortinitiative Wind aus den Segeln. Diese wurde von Alt-SVP-Nationalrat Rudolf Joder und lokalen Politikern lanciert, nachdem die Geburtenabteilung in Riggisberg geschlossen worden war.

Die Initiative verlangt den Erhalt der Landspitäler um weitere acht Jahre sowie die Wiedereröffnung der geschlossenen Geburtenabteilungen in Riggisberg und Zweisimmen. Über die Initiative wird am 27. November abgestimmt.

Schnegg habe versichert, dass das Geburtshaus in Zweisimmen nicht gegen die Initiative ausgespielt werden soll, sagt Speiser, die auch dem Initiativkomitee angehört.

Dies kümmert die Gegner aber wenig: «Es geht auch ohne die schädliche Spitalstandortinitiative», twitterte Enea Martinelli, Präsident der BDP Kanton Bern und Mitglied des Nein-Komitees. Natürlich sei die Eröffnung der Maternité Alpine ein Argument gegen die Initiative, sagt er auf Anfrage.

«Die Eröffnung des Geburtshauses ist ein Argument gegen die Spitalstandortinitiative.»
Enea Martinelli, Präsident BDP

Auch GLP-Grossrätin Barbara Mühlheim engagiert sich im Gegenkomitee und sagt: «Schnegg agiert taktisch.» Sei Entscheid für das Geburtshaus trage aber auch zur «Entkrampfung des Konflikts» bei.

Wiedereröffnung ungewiss

Tatsächlich könnte für Stimmbürger aus der Region Simmental-Saanenland nun ein Grund wegfallen, für die Spitalstandortinitiative zu stimmen, um damit die Wiedereröffnung der Geburtenabteilung in der Region zu erzwingen.

Selbst wenn das Geburtshaus eine Geburtsabteilung in einem Spital nicht ersetzt: Denn Geburten mit bereits bekanntem erhöhtem Risiko können nicht im Geburtshaus erfolgen und müssen ans Spital Thun verwiesen werden.

Doch dass es in Zweisimmen dereinst ein Geburtshaus und eine Geburtenabteilung geben könnte, scheint nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen unrealistisch. In diesem Fall müsste man mit dem Spital verhandeln, sagt Marianne Haueter, Co-Leiterin des Geburtshauses Maternité Alpine.

Doch so weit dürfte es gemäss Schnegg gar nicht kommen. «Es ist unwahrscheinlich, dass etwas wiedereröffnet wird, was einmal geschlossen wurde», sagt er. Er könne sich etwa nicht vorstellen, dass die Geburtenabteilung in Riggisberg noch einmal in Betrieb genommen werde. Die Schliessung dort liege aber auch länger zurück als jene in Zweisimmen, relativiert Schnegg seine Prognose.

Grundsätzlich verfolgt Schnegg die Politik weiter, die er bereits betrieb, als er noch im Grossen Rat sass. Er formulierte damals einen Gegenvorschlag zur umstrittenen Initiative aus, der zwar in eine ähnliche Richtung ging, aber mit einem Unterschied: Bereits geschlossene Angebote sollten nicht wieder in Betrieb genommen werden. Der Gegenvorschlag fand im Grossen Rat aber keine Mehrheit, weshalb nun lediglich die Initiative zur Abstimmung kommt.

Der Bund

Quelle: https://www.derbund.ch/bern/kanton/geburtshaus-in-zweisimmen-erhaelt-unterstuetzung-von-schnegg/story/30927137

08.09.2016|