Jahresbericht 2018

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Project Description

Jahresbericht 2018

Für die Gesundheitsversorgung Simmental-Saanenland war das vergangene Jahr  zu Beginn von Ratlosigkeit, am Schluss aber von hoffnungsvoller Zuversicht geprägt.  An zahlreichen Treffen mit den Gemeindebehörden, der Bergregion, der kantonalen Gesundheitsdirektion, der Spital STSAG, an Workshop und öffentlichen Anlässen und auch Einzelgesprächen unter anderem mit der Leitung der Firma Paianet sowie an drei Vorstandssitzungen hat sich der MeGSS-Vorstand mit folgenden Themen befasst.

Grund- und Spitalversorgung

Nach dem Scheitern des Versorgungskonzeptes 2014 mit dem Projekt „3S“ in Zweisimmen und dem Gesundheitszentrums Localmed in Saanen (2017) wurde durch RR P.A.Schnegg eine Arbeitsgruppe unter der unabhängigen Leitung der Firma Paianet, Lausanne, ins Leben gerufen. Diese Bestand mehrheitlich aus  Vertretern der Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF) und der Spital STS AG und einer kleinen Delegation der hiesigen Behörden. Ihr Auftrag war, nochmals  den Bedarf an Grundversorgung, die Wirtschaftlichkeit , den Spitalstandort und die geeigneten Partner zu evaluieren. Die Standortfrage drohte für kurze Zeit, ältere lokalpolitische Kontroversen aufleben zu lassen und hat sogar zu einer Unterschriftensammlung geführt . Sie wurde aber am Workshop vom 16. Juni geklärt. An diesem Workshop mit medizinischen Fachleuten und Vertretern aus Politik und der Wirtschaft präsentierten RR Schnegg und Experten erste Analysen und Szenarien der Arbeitsgruppe. Die daraus resultierende Transparenz, konstruktive Eingaben und offene Diskussionen führten zu einer positiven Dynamik und  gegenseitigem Verständnis auch für unterschiedliche Standpunkte. Daraus entstand eine Konzeptidee, die neben den Expertenmeinungen auch die Bedürfnisse und Erwartungen der lokalen Verantwortlichen berücksichtigen soll. Dieses Konzept  wurde am 15. September in St.Stephan den Involvierten und am 7. November in der Simmental Arena Zweisimmen der breiten Öffentlichkeit präsentiert. Es ist das Verdienst des Projektleiters, Herrn S.Stefaniak, eine Atmosphäre der Offenheit und des Vertrauens geschaffen zu haben, in der in dem Spannungsfeld zwischen Versorgungsnotwendigkeit und Finanzierbarkeit neben den Experten auch die Bürger eine Stimme erhalten und ihnen das Mitdenken und Mitdiskutieren zugestanden wird. Daraus ist eine breite Hoffnung auf einen Konsens und ein Mitverstehen von schwierigen Entscheiden gewachsen. Damit übernehmen zudem die örtlichen Behörden und wir alle als Bürger und Bürgerinnen eine Mitverantwortung und eine Verpflichtung, uns für pragmatische Lösungen zu engagieren und sie mitzutragen. Das Konzept sieht vor, unter Mitverantwortung von lokalen Akteuren aus Politik und Wirtschaft und der Gesundheits-und  Fürsorgedirektion , eine Trägerschaft für eine integrierte Grundversorgung aufzubauen. Unter diesem Dach soll in Zweisimmen ein „Campus“ mit Akutspital, Langzeitpflege, ambulanter Grundversorgung, Spitex, Geburtshaus und weiteren Angeboten und in Saanen ein ambulantes Gesundheitszentrum mit 24- Stunden Verfügbarkeit entstehen. Die Projektorganisation durch Herrn Stefaniak, Firma Paianet, ist angelaufen. Bis im Herbst 2019 sollen bereits handfeste Resultate vorliegen. Trotz der positiven Aufbruchstimmung wird es nicht leicht sein, den Bedarf nach unseren Vorstellungen in den Grenzen des Machbaren zu realisieren. Alle medizinischen Leistungserbringer zu gewinnen und in die Gesamtinteressen einzuordnen wird eine weitere Herausforderung sein. Der Vorstand MeGSS ist auf allen Ebenen einbezogen und erachtet es als seine ureigene Aufgabe, im Jahr 2019 dieses Projekt mitzutragen und seine Kompetenzen einzubringen.

Nachfolge Hausärzte

Qualifizierte Nachfolger für die heutigen Hausärzte zu finden, wird eine der schwierigsten Aufgaben sein. Wir stehen an einem kritischen Punkt. Das Angebot von zeitgemässen Infrastrukturen und Arbeitsbedingungen und die Entlastung und Rückendeckung durch ein nahes Spital erhöhen die Chancen etwas, den drohenden Notstand zu verhindern. Zur Zeit beruhen die Hoffnungen in Zweisimmen und dann möglicherweise auch in Saanen auf der Zusammenarbeit mit Medbase AG, die aber die entsprechend ausgebildeten jungen Ärzte auch nicht herbeizaubern kann, wie dies der bisherige Misserfolg in Erlenbach zeigt.

Geschäftsleitung MeGSS

Die Zusammenlegung der Betriebsleitungen der Spitex Saanenland und Obersimmental in die Hände von unserem Geschäftsführer Ueli von Känel hat die Spitex Obersimmental bewogen,das Mandat Geschäftsführung MeGSS auf Ende 2018 zu kündigen. Da die Planung der Gesundheitsversorgung und auch der Verein MeGSS gegenwärtig in einer Übergangsphase stehen, will der Vorstand den Mitgliedern von MeGSS eine einfache, pragmatische Lösung vorschlagen.

Palliative Care (PC)

Seit einigen Jahren besteht eine Nationale Strategie Palliative Care mit dem Ziel, in der ganzen Schweiz für alle schwerkranken und sterbenden Menschen den Zugang zu Palliative-Care-Leistungen zu gewährleisten. Dazu braucht es Fachpersonen mit den erforderlichen Kompetenzen. Es besteht bereits eine gute Zusammenarbeit mit dem Palliative Care-Netzwerk der Region Thun speziell im Bereiche Fortbildung und Beratung. Für die direkte Inanspruchnahme der Mobilen Palliative Dienste Thun erweist sich aber die Distanz in der Praxis als hemmend. Am 28. 2.2019 planen wir zusammen mit den PC – Diensten Thun einen Anlass zum Austausch von Informationen und zur Entwicklung von Zusammenarbeitsmodellen, nicht zuletzt im Hinblick auf die geplante Neuorganisation der Grundversorgung in unserer Region.

Website MeGSS / Melde-und Beratungsstelle

An mehreren Sitzungen mit Frau Suleika Kummer der Firma Zooom wurde die Website MeGSS aktualisiert und angepasst. Der ursprünglich geplante Aufbau einer Melde-und Beratungsstelle, die mit einem niederschwelligen Angebot der Bevölkerung und den Leistungserbringern Gelegenheit geben soll, sich zu Erfahrungen und Bedürfnissen in der Grundversorgung zu äussern und beraten zu lassen, wurde im Herbst vom Vorstand fallen gelassen. Dies vor allem, weil mit dem neuen Projekt Grundversorgung eine neue Plattform zur Mitsprache zur Verfügung steht und auch weil mit dem Ausscheiden der Spitex Obersimmental aus der Geschäftsführung die vorgesehene Anlaufstelle wegfällt.

MeGSS – wie weiter?

Wie aus dem vorliegenden Bericht zu entnehmen ist, lag der Schwerpunkt der Tätigkeit 2018 auf der Beteiligung am Prozess der von RR Schnegg angestossenen Neuorganisation einer integrierten Grundversorgung. Mit Genugtuung haben wir zur Kenntnis genommen, dass die Mehrzahl der von uns eingebrachten Anliegen und Vorschläge von den regionalen Behörden aufgenommen worden sind und auch in der Zielsetzung des Projektes berücksichtigt werden. Im Jahresbericht 2017 habe ich mich skeptisch über Sinn und Wirksamkeit von MeGSS als Verein geäussert, der sich als Vermittlungs- und Austauschplattform sieht, aber wegen mangelnden Entscheidungs- und Finanzkompetenzen selbst keine direkten Lösungen anbieten kann. In der Öffentlichkeit hat im vergangenen Jahr mit der Präsentation des Projektes integrierte Grundversorgung ein Stimmungswechsel von Misstrauen zu fast euphorischer Hoffnung stattgefunden. Das „Wir-Bewusstsein“ und der Wille zur Zusammenarbeit ist erwacht. Die Idee, gemeinsam eine Chance zu packen, überwiegt zur Zeit die Bedenken. Im angelaufenen Projekt ist der Vorstand MeGSS auf allen Ebenen einbezogen und er will sich hier einbringen. Wenn die neue Trägerschaft der Grundversorgung Simmental-Saanenland einmal gegründet ist und ihre Arbeit aufgenommen hat, wird der Verein MeGSS nach einhelliger Meinung des Vorstandes seine Existenzberechtigung verlieren. Er sollte dann aufgelöst werden, da es nicht sinnvoll scheint, Parallelorganisationen mit gleicher Zielsetzung und teilweise identischer personeller Besetzung zu betreiben. Bis es soweit ist, schlagen wir vor, den Verein MeGSS als Ansprechpartner und Diskussionsplattform zu erhalten.

18.2.2019 R.Minnig, Präsident MeGSS