Jahresbericht 2017

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Project Description

Jahresbericht 2017

Seit der letzten Mitgliederversammlung vom 19. Juni 2017 sind erst acht Monate verflossen. Mit der Verlegung der ordentlichen Mitgliederversammlung in das erste Quartal des Kalenderjahres 2018 soll der entsprechenden Anforderung der Statuten nachgelebt werden.

Der Vorstand tagte in diesem „verkürzten Geschäftsjahr“ dreimal und befasste sich mit folgenden, zumeist nicht neuen Themen.

Akutspitalversorgung

Das 2014 angekündigte Projekt „3S“ der Spital STS AG für einen Neubau eines Akutspitals  mit integriertem Hausarztzentrum und einer Abteilung Alterspflege in Zweisimmen hat  schon früher Verzögerungen erfahren. Der im Februar 2017 gestellte Antrag auf jährliche  Betriebsbeiträge von 3,4 Mio.CHF an die Vorhalteleistungen des versorgungsnotwendigen Spitals wurde im September durch die Gesundheitsdirektion des Kantons Bern in der vorgesehenen Form abgelehnt. Der Versuch der politischen Einflussnahme zur Unterstützung der STS AG durch eine politische Gruppe  (Gemeinden vom Saanenland bis Thun, NR E.v.Siebenthal,  Grossräte, IG-Spital, MeGSS, Tourismus) unter dem Lead der Bergregion Obersimmental-Saanenland war erfolglos. Als Folge des negativen Entscheids hat die STS AG das Projekt „3S“ sistiert. An zwei Treffen mit den Exponenten der politischen Gruppe im Oktober 2017 und Januar 2018 hat RR P.A.Schnegg seine Position und Entscheide dargelegt. Eine Expertengruppe unter unabhängiger Leitung soll nochmals den Bedarf an Gesundheitsgrundversorgung, die Wirtschaftlichkeit , den besten Standort und die besten Partner finden. Eine „hervorragende Grundversorgung“ wird nicht an Frage gestellt. Für diesen Begriff fehlt leider bis heute die klare Definition. Wir haben gewisse Vorstellungen, was diese beinhalten müsste, um auch eine bestmöglichen  Wirtschaftlichkeit zu erreichen. Im Zusammenhang mit der nun herrschenden Unsicherheit beim Spitalpersonal und in der Bevölkerung  haben wir  den Gesundheitsdirektor  auf mögliche Konsequenzen  seiner Entscheidungen für verschiedene Partner   unseres  Netzwerkes (Alterswohnen STSAG, Wohnheim Bergquelle, Nachfolge Hausärzte, Geburtshaus Maternité Alpine) hingewiesen. Die politische Bergregion konnte sich leider  nicht darauf einigen, einen MeGSS – Vertreter in die Expertengruppe zu delegieren. So bleibt die betroffene Bevölkerung in diesem Gremium ohne medizinisch sachkundige regionale Vertretung, die mit den örtlichen Bedürfnissen und Möglichkeiten  vertraut wäre.

Es bleibt zu hoffen, dass sachlich–fachliche Argumente nicht wegen lokalpolitischen Differenzen in den Hintergrund gedrängt werden  und dass wir alle unsere  Verantwortung gegenüber der gesamten Bevölkerung und den Gästen für eine effiziente und korrekte regionale Akutspitalversorgung wahrnehmen.

Die Wahl eines neuen Chefarztes Medizin Spital Zweisimmen steht bevor. Dr. med. Nikolaus Hoyer, Gstaad nimmt auf Vorschlag von uns Einsitz  in die Findungskommission.

Nachfolge Hausärzte

Die Volkswirtschaft Berner Oberland lancierte im Juni einen Antrag für  ein NRP (Neue Regional Politik) – Projekt „Neues Medizinisches Versorgungskonzept Berner Oberland“. In unserer Vernehmlassung zuhanden der Bergregion haben wir zusammengefasst wie folgt  Stellung genommen: Begrüsst werden die Grundsätze  von „Bottom-up-Lösungen“ und „vom Grundversorger (Einzelkämpfer) zur Grundversorgung (Team)“. Ein einziges Konzept kann nicht für das ganze BO sinnvoll sein. Je nach Region und beteiligten Playern sind unterschiedliche Lösungen nötig. Wegen der Dringlichkeit besteht  in unserer Region Handlungsbedarf bevor dieses Projekt umgesetzt werden kann.

Nachdem das Medical Center Saanen Gstaad der Localmed nach nur 15 – monatiger Tätigkeit im März 2017 wegen ungenügender Verankerung bei der einheimischen Bevölkerung aufgegeben worden ist, wird das Saanenland wie früher durch die verschiedenen Hausarztpraxen versorgt. Es  herrscht allerseits die Enttäuschung über das Scheitern der hoffnungsvoll geplanten Ansätze für die Zukunft  der hausäztlichen Versorgung  im Saanenland vor. Innerhalb der nächsten fünf Jahre  besteht  aber auch hier dringender Handlungsbedarf.

Im Gebiet Boltigen-Zweisimmen wird nach 2019 von den vier jetzigen Praxen aus Altersgründen nur noch eine zur Verfügung stehen. Die „Arbeitsgruppe Hausärzte“ für Zweisimmen und Boltigen wurde bereits 2016 unter dem Lead der Gemeinde Zweisimmen in der Person von Beatrice Zeller (Gemeinderätin  und Vize-Präs. MeGSS) mit  Beteiligung der Hausärzte, des Geschäftsführers MeGSS und der STSAG eingesetzt, nachdem klar war, dass das Projektes „3S“ nicht zeitgerecht bis 2020 zu realisieren war. Nach Sondierungen mit diversen Anbietern bahnt sich jetzt eine Lösung mit Medbase Berner Oberland AG in Zweisimmen an. Das Ziel ist das Angebot einer echten Hausarztmedizin und nicht  einer  Walk-in-Praxis. Die Orientierung der Öffentlichkeit wird nach Regelung von Detailfragen demnächst durch die Partner erfolgen.

Auch im Alterszentrum  Lindenmatte  Erlenbach  ist neu  für die noch leerstehende Arzpraxis eine  Lösung mit Medbase  in Sicht.

Allgemein anerkannt wird die Überzeugung, dass nur mit einem regionalen Akutspital im Rücken auch junge ÄrztInnen für die ambulante Grundversorgung zu gewinnen sein werden.

Ärztlicher Notfalldienst

Für den Notfalldienst nachts und zum Teil an Wochenenden in der Zwischensaison steht das Spital Zweisimmen zur Verfügung. Für die äusserst seltenen und aussergewöhnlichen Fälle, die einen Besuch vor Ort erfordern, leistet   im Saanenland und im Obersimmental je ein Hausarzt Hintergrunddienst. Zur Entlastung haben wir vorgeschlagen, die beiden Dienstkreise zu fusionieren. Damit konnte sich nicht eine genügende Mehrheit der Hausärzte  anfreunden, so dass sich die erhoffte Entlastung zur Zeit  nicht umsetzen lässt.

Palliative Care

 Das Palliative Care Netzwerk der Region Thun (seit 2011) möchte ein flächendeckendes Angebot der Palliative Care anbieten. Die Distanz nach Thun erschwert  die Inanspruchnahme der  spezialisierten Mobilen Palliative Dienste (MPD) in unserer Region ,  ganz abgesehen von deren nicht geregelten Abgeltung. So ist jede Institution, seien es Spitex, Hausärzte, Alterspflege, Verein „Pro Viva“  in Saanen oder das Akutspital im Alltag mehr oder weniger auf sich selbst gestellt.  Sehr geschätzt werden von diesen jedoch die hochstehenden  Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten  sowie die konsiliarischen Beratungen, die das Palliative Care Netzwerk anbietet. Die Vernetzung und die Schnittstellen unter den lokalen Anbietern funktionieren aber gut, so dass gemäss Aussagen der Fachleute zur Zeit kein Handlungsbedarf seitens MeGSS besteht.

Webseite MeGSS / Melde- und Beratungsstelle

Seit einiger Zeit wird an einer Ergänzung  und Aktualisierung der Webseite von MeGSS gearbeitet. Innert Kurzem soll der Vorstand das Ergebnis sichten und beurteilen können , bevor dann die Webseite wieder aufgeschaltet wird.

Nachdem die Meldestelle der Interessegruppe (IG-Spital, Grossräte, kantonaler Hebammenverband) wegen starker Abnahme der Anzahl Meldungen von 2015 bis 2017 und wegen der Kostenstruktur in  der vorliegenden Form geschlossen wurde, hat der Vorstand MeGSS beschlossen, eine einfacher aufgebaute, niederschwellige Meldestelle, ergänzt mit der Möglichkeit zu Beratungen für die Bevölkerung einzurichten. Damit soll auch der Bevölkerung ein Portal zur Verfügung stehen, sich zu äussern oder Unterstützung  in Anspruch zu nehmen. Wegen  technischen  Abklärungen zu gesicherten online Meldungen und wegen eingeschränkten Ressourcen der Webdesignerin wurde das Projekt verzögert, sollte aber demnächst  zusammen mit  der Website lanciert werden können,  sofern vom Vorstand  genehmigt.

Ausblick – Ist MeGSS weiterhin nötig und sinnvoll?

2013 wurde MeGSS mit vielen Hoffnungen und noch mehr Erwartungen gegründet mit dem Ziel, die Kontinuität der medizinischen Grundversorgung zu sichern, alle Partner in der medizinischen Grundversorgung zu vernetzen, ihre Aktivitäten zu koordinieren und als Plattform für den Austausch und zur Förderung von Zusammenarbeit, Transparenz und Vertrauen unter den Mitgliedern zu dienen.  Als Hauptaufgaben wurden  die Unterstützung der SpitalSTS AG in der Definition des nun gescheiterten Leistungsangebots und im Projekt „3S“ sowie die Problematik der Hausarztnachfolge wahrgenommen.  Die hochgesteckten Erwartungen sind  aus bekannten Gründen nicht  erfüllt worden.

Ein positiver Ansatz war immerhin der Versuch, die politischen Gremien unter dem Lead der Bergregion zur Unterstützung der STSAG gegenüber dem Kanton zusammenzuführen.  Auch die „Arbeitsgruppe Hausarzt“ in Zweisimmen lässt Hoffnung aufkommen. Es zeigt sich aber, dass Initiativen von MeGSS   nur angestossen werden können, dass die Umsetzung jedoch von den betroffenen Partnern mit entsprechenden Ressourcen selbst an die Hand genommen werden muss.

Insbesondere hat der Verein MeGSS keine Kompetenzen, eigene Lösungen zu erarbeiten oder gar durchzusetzen. Er steht als Plattform zur Vermittlung und Lösungssuche oder zur Beratung allen Partnern und Mitgliedern zur Verfügung.

Die Vernetzung spielt in unserer Region auch ohne unseren Verein relativ gut, da sich die meisten Partner persönlich kennen. Von seinen Mitgliedern wird die Plattform MeGSS  kaum benutzt. Die meisten Fragen werden bilateral gelöst.Es stellt sich deshalb die Frage nach der weiteren Existenzberechtigung von MeGSS.

In Zukunft werden  als Antwort auf die sich verändernden Strukturen  neue integrierte Lösungen gefragt sein. Die Zeiten, wo jeder nur seinen eigenen Garten pflegen kann, werden bald vorbei sein. Die wechselseitige Abhängigkeit der Partner unter einander wird aus meiner Sicht zu wenig  wahrgenommen. Das „WIR-Bewusstsein“ in der ganzen Region hat noch Entwicklungspotential, das es zu fördern gilt.

Aufgrund der aktuellen Ungewissheiten in der Spitalfrage, der noch ungelösten Fragen der zukünftigen hausärztlichen Grundversorgung, dem zunehmenden Kostendruck im Gesundheitswesen und dem sich verschärfenden Ton in der Region sehe ich vorläufig weiterhin einen Sinn, den Verein MeGSS als Plattform für Austausch und Vermittlung zu pflegen und zur Verfügung zu stellen.  Dies macht aber meines  Erachtens  nur Sinn, wenn die Partner und die  Bevölkerung diese Plattform  aktiv in Anspruch nehmen und nutzen.

In diesem Sinne empfehle ich, die Arbeit fortzusetzen und dem Vorstand für ein weiteres Jahr das Vertrauen zu schenken. Falls im laufenden Jahr MeGSS zunehmend marginalisiert wird  und die Weiterentwicklung der medizinischen Grundversorgung noch mehr  fremdbestimmt wird , muss  über  Sinn und  weitere Existenzberechtigung  des  Vereins MeGSS   nachgedacht und müssen allenfalls Konsequenzen gezogen werden.

Zweisimmen, 06.03.2018

Ruedi Minnig, Präsident