«Die Unterstützung der Region ist ein Schlüsselfaktor»

Home/2019, Alle Jahre/«Die Unterstützung der Region ist ein Schlüsselfaktor»

Die Gesundheitsversorgung in der Region soll durch ein integriertes Gesundheitsnetzwerk mit einem Gesundheitscampus in Zweisimmen und einem Gesundheitszentrum in Saanen sichergestellt werden. Am vergangenen Samstag trafen sich die Arbeitsgruppen in Gstaad zu einem Workshop. Konkrete Resultate sollen im Oktober präsentiert werden.

Seit Jahrzehnten wird in der Region Saanenland-Simmental über die Sicherstellung der Gesundheitsversorgung kontrovers diskutiert und debattiert. Pläne wurden vorgestellt und wieder verworfen oder scheiterten am Willen zur Zusammenarbeit in der Region. Nun scheint der Wille zur Zusammenarbeit vorhanden. Die Zeit drängt, die Gesundheitskosten steigen, der Hausärztemangel wird akut. Die Projektverantwortlichen – darunter auch die Gesundheits- und Fürsorgedirektion – setzen sich unter Druck: Mitte Oktober soll ein realisierbares Projekt stehen.

Gesundheitscampus in Zweisimmen und Gesundheitszentrum in Saanen
Das Konzept, das im November 2018 einer breiten Öffentlichkeit in der Simmental-Arena vorgestellt wurde, sieht einen Gesundheitscampus in Zweisimmen mit einem Gesundheitszentrum in Saanen sowie einer entsprechenden Einbindung der Rettungsdienste vor. Der Gesundheitscampus beinhaltet einen 24-h-Spitalnotfall, Operationssaal und auch stationäre Betten, dazu Arztpraxen, Physio, Ergo, Apotheke, Spitex, Alterswohnen, Maternité Alpine u.a.m. Das Gesundheitszentrum in Saanen umfasst eine 24-h-Anlaufstelle, Arztpraxen, Triage sowie Rettungsdienst.

Die Zeit drängt
Um die Projektarbeiten in der Region zu koordinieren, wurden fünf Arbeitsgruppen zusammengestellt, involviert sind über 80 Personen. Er erwarte ein engagiertes Handeln aller Beteiligten, betonte der Gesundheits- und Fürsorgedirektor Pierre Alain Schnegg. «Die Region ist gefordert und muss jetzt ihre Zukunft selber in die Hand nehmen.» Es gelte nun, eine funktionierende Gesundheitsversorgung Simmental-Saanenland aufzubauen, denn die künftigen Herausforderungen im Gesundheitswesen müssten jetzt angegangen werden. «In diesem Zusammenhang stehen der Hausärztemangel, die steigende Nachfrage nach flexiblen Betreuungs- und Pflegemöglichkeiten im Alter, die Anpassungen im Rettungswesen und die Verlagerung zu immer mehr ambulanten operativen Eingriffen in den Spitälern.» Neben dem Willen zur Zusammenarbeit sei vor allem ein höheres Tempo anzuschlagen, damit Wünsche und Vorhaben konkretisiert und in eine sinnvolle Planung integriert werden können, schreibt die Gesundheitsund Fürsorgedirektion in einer Medienmitteilung. Es gehe darum, das Machbare zu definieren und die Zukunft der Region zu unterstützen.

Die Herausforderungen
Am Workshop in Gstaad präsentierten die Arbeitsgruppen erste Zwischenresultate. Eine der Herausforderungen sei es, die integrierte Versorgung attraktiv zu machen für die Bevölkerung, die Patienten, Ärzte, Pflegende, Therapeuten und andere Leistungserbringer, erläuterte die Arbeitsgruppe 1, welche für das Konzept integrierte Versorgung verantwortlich zeichnet. Die Umsetzung sei so anzudenken, dass sie ökonomisch tragbar und im Handling attraktiv sei.

Die zweite Arbeitsgruppe befasst sich mit der Thematik Trägerschaften. Der Enge Zeithorizont könne auch eine Chance sein, so das Fazit der Gruppe. «Angepackt ist – gemeinsam schaffen wir das!»

Die Festlegung des Infrastrukturbedarfs in Zweisimmen wie in Saanen ist eine der Aufgaben der Arbeitsgruppe 3. «Welche Leistungen werden angeboten, was sind die Bedürfnisse im Saanenland, wie vernetzen wir uns?», sind nur einige der Herausforderungen.

Die Arbeitsgruppe 4 ist verantwortlich für die Erstellung eines konkreten Finanzplanes. Der Finanzbedarf ist noch offen, erst müsse ein konkretes Projekt vorliegen, so Projektleiter Stefaniak. Es gelte aber nun – unter anderem –, die verschiedenen Geldquellen zu identifizieren. Man suche zum Beispiel das Gespräch mit den Krankenversicherern, auch gebe es bestimmte Fonds für die Finanzierung von innovativen Projekten in der Bergregion. Zudem habe er einen Termin mit der Bergregion Obersimmental-Saanenland vereinbart, um herauszuspüren, welche Finanzierung sich die Gemeinden vorstellen könnten.

Wie es der Name sagt, sind die Erarbeitung eines Standortkonzeptes, die Definition und Planung der Infrastruktur Aufgaben der fünften Arbeitsgruppe Infrastruktur. Persönlich gehe er davon aus, dass das Spital in Zweisimmen nicht mehr genutzt werde, sagte Pierre Alain Schnegg. In Saanen könne vielleicht das alte Spital den Bedürfnissen angepasst werden, es gebe aber auch ein anderes Objekt, in das man ein Gesundheitszentrum integieren könnte. Solche Fragen zu klären, sei Aufgabe der Arbeitsgruppe, so Schnegg.

Die Resonanzgruppe ist das strategische Gremium, in dem zahlreiche Vertreter der Region einsitzen. Ihr Auftrag ist u.a. die Kommunikation nach aussen sowie das kritische Begleiten des Projektverlaufs. Der Projektausschuss ist das strategische Entscheidungsgremium. Hier wurde auf eine möglichst paritätische Besetzung geachtet. Sicherstellung der Zielerreichung und Entscheidungen über Budgets und Ressourcen lautet ihr Auftrag. Und last but not least gibt es noch die Projektleitung, das operative Organ, welches die Arbeiten strukturiert und koordiniert.

Optimistische Grundstimmung
Verschiedene Referenten aus dem Inund Ausland – Caroline Bauvaud von Medbase, Romain Boichat von Corpus Health AG, Peter Berchtold von College M, Urs Zanoni vom Regionalverband Oberes Freiamt sowie Justin Rautenberg von OptiMedis AG – sprachen über Herausforderungen der integrierten Versorgung, über Lösungsansätze und über ihre Erfahrungen. «Das sind wichtige Inputs für uns», betonte Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg.

«Die Grundstimmung ist optimistisch», war im Anschluss des Workshops da und dort zu hören. Konkrete Ergebnisse konnten aber noch nicht vorgewiesen werden, diese sollen in den nächsten Monaten erarbeitet und am 15. Oktober in der Simmental-Arena der Öffentlichkeit präsentiert werden. Ein zweiter Workshop findet am 22. Juni in Zweisimmen statt. «Die Unterstützung der Region bleibt weiterhin ein Schlüsselfaktor», sagte Projektleiter Stefan Stefaniak.

Gewisse Entscheidungen seien schon getroffen worden, aber noch keine definitiven, sagte Schnegg. Das Grundkonzept sei fixiert, nun gehe es um die Details. Schnegg nennt ein Beispiel: «Wollen wir eine Genossenschaft, eine AG, einen Verein? Muss es von den Gemeinden geführt werden oder eher von der Bevölkerung? Das Beantworten dieser Fragen ist die Aufgabe der Gruppe Trägerschaft. Sie muss die Vor- und Nachteile von verschiedenen Trägerschaftsmöglichkeiten aufzeigen und dann werden Entscheidungen getroffen.»

Fünf Ziele
Stefan Stefaniak definierte fünf Ziele, die bis zum 15. Oktober erreicht werden müssen: 1. Die Gründung der Trägerschaft(en) für Netzwerk und Campus. 2. Grob- und Detailkonzepte zum Netzwerk. 3. Das Finanzierungskonzept. 4. Die Klärung von Infrastruktur und Flächen. 5. Die Identifikation der teilnehmenden Leistungserbringer. «Bis Oktober müssen wir die Personen finden, die bereit sind, die Chance zu nutzen und das Projekt verantwortlich zu übernehmen», so Stefaniak.

Er habe ein gutes Gefühl, sagt Toni von Grünigen, Gemeindepräsident von Saanen und Co-Präsident der Bergregion, auf Anfrage. «Viele sind involviert, helfen mit, eine Lösung zu finden.» Wie diese aussieht, sei jedoch noch offen.

Details unter http://gesundheit-simme-saane.ch

DIE ARBEITSGRUPPEN

Projektleitung: Philipp Bigler, Aline Froidevaux, Olivier Furrer, Martina Gläsel, Ernst Hodel, Dr. Jochachim Maier, Annamaria Müller, René Müller, Dr. Linda Nartey, André Streit, Bruno Zürcher.
Projektausschuss: Albin Buchs, Toni von Grünigen, Pierre Alain Schnegg, Dr. Yves Bichsel, Dr. Thomas Bähler, Bruno Guggisberg, Dr. Nikolaus Hoyer, Ueli von Känel.
Resonanzgruppe: Matthias Brunner, Armando Chissalé, Dr. Ueli Corrodi, Peter Dolder, Andreas Grünig, Marianne Haueter, Thomas Knutti, Daniel Matti, Dr. Rudolf Minnig, Hansjörg Pfister, Corinne Reuteler, Hans Schär, Erich von Siebenthal, Anne Speiser, Fred Stocker, Jörg Trachsel, Jonas Wanzenried, Markus Willen.
Arbeitsgruppe Konzept Integrierte Versorgung: Dr. Joachim Maier, niedergelassener Arzt, Zweisimmen; Caroline Bavaud, Regionenleiterin Medical Center, Medbase; Peter Dolder, Präsident Verwaltungsrat STS Alterswohnen; Aline Froidevaux, stellv. Generalsekretärin GEF; Olivier Furrer, Projektleiter, Spital STS AG; Dr. Stephan Hill, Präsident Verwaltungsrat, Bildungszenterum Pflege Bern; Markus Iseli, Abteilungsleiter BSS, Gemeinde Saanen; Markus Jaussi, Partner, büro H AG, Boltigen; Dr. Linda Nartey, Kantonsärztin GEF; Dr. Anita Stauffer, Innere Medizin, Spital Zweisimmen; Beatrice Zeller, Gemeinderätin, Gesundheit und Soziales, Zweisimmen.
Arbeitsgruppe Trägerschaft: Ernst Hodel, Gemeinderatspräsident Zweisimmen; Philipp Bigler, Gemeinderat Saanen; Hubert Klopfenstein, Jurist, Zweisimmen; Matthias Brunner, Notar, Saanen; Andreas Grünig, Bergregion OS-SA, Geschäftsführer.
Arbeitsgruppe Campus und Netzwerk: André Streit, Geschäftsführer Alterswohnen STS; Caroline Bavaud, Regionenleiterin Medbase; Anna Bieri, Gemeinderätin Boltigen; Christoph Däpp, Rektor Gymnasium Gstaad; Olivier Furrer, Projektleiter, Spital STS AG; Martina Gläsel, Standortleiterin Spital Zweisimmen, Spital STS AG; Dr. Beat Haehlen, Hausarzt, Lenk; Ueli von Känel, Betriebsleiter Spitex; Dr. Ruedi Minnig, MeGGS/Maternité Alpine; Annamaria Müller, Vorsteherin Spitalamt, GEF; Dr. Niklaus Perreten, Hausarzt, Gstaad; Anne Speiser, Maternité Alpine/Grossrätin.
Arbeitsgruppe Finanzen: Stefan Stefaniak, Gesamtprojektleiter «Gesundheit Simme Saane»; Marc Aellen, Partner und Verwaltungsratspräsident T&R Oberland AG; Olivier Furrer, Projektleiter, Spital STS AG; Kurt Gyger, Abteilungsleiter Finanzen und Liegenschaften, Saanen; Daniel Matti, Inhaber Chaletbau Matti/Freunde des Gesundheitswesens; Beat Zahler, Gemeindeverwalter, St. Stephan.
Arbeitsgruppe Infrastruktur: Jonas Wanzenried, Präsident Gewerbeverein Saanenland; Patrick Anderegg, Bergquelle; Oliver Buchs, stellv. Geschäftsführer STS Alterswohnen AG; Olivier Furrer, Projektleiter, Spital STS AG; Martina Gläsel, Standortleiterin Zweisimmen, Spital STS AG; Hans Grünenwald, Architekt; Verena Müllener, Gemeinderätin Saanen, Liegenschaften; Richard Spalinger, Architekt, Theiler Ingenieure; Jakob Trachsel, Bauverwalter, Gemeinde Lenk.

Anita Moser

Anzeiger von Saanen

01.04.2019|